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Historische physikalische Instrumente

Allgemein
BezeichnungHistorische physikalische Instrumente
UniversitätHumboldt-Universität zu Berlin
UniversitätsortBerlin
Museums- und SammlungsartNaturwissenschaft & Technik
Museums- und SammlungsformHistorische Sammlung
SammlungsschwerpunktAkustik · Optik · Physik · Wissenschaftsgeschichte
Externe Links
AdresseLebens­wissenschaft­liche Fakultät
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Physikalisches Institut
Newtonstraße 14
Berlin-Adlershof
12489 Berlin
KontaktDr. Uwe Müller
uwe.mueller@physik.hu-berlin.de
BeschreibungFür das 19. und 20. Jahrhundert ist die Existenz mehrerer physikalischer Apparate-Sammlungen an der Berliner Universität nachgewiesen. Im Zweiten Weltkrieg wurden das Institut und vermutlich auch die Physikalischen Sammlungen zerstört.

Lenz, 1910; Nägelke, 2000 
Stand der InformationenMärz 2014
  
Bestände
Objektgruppen
Bedeutende Teilbestände
  • Sammlung Gustav Magnus (1802-1870): spätestens seit 1833 zusammengetragen; 1870 Übernahme durch die Universität - die Sammlung bildete gemeinsam mit der Magnus'schen Bibliothek den Grundstock des durch Hermann von Helmholtz (1821-1894) gegründeten physikalischen Universitätsinstituts im Ostflügel des Hauptgebäudes Unter den Linden im Jahre 1871
  • Apparate-Sammlung Ermann: 1851 Übernahme durch die Berliner Universität aus dem Privatbesitz des Ordinarius für Physik Paul Ermann (1764-1851)
  • Optische Sammlung: Lehrsammlung, welche durch den Berliner Professor Henning für seine Vorlesung über Goethes Farbenlehre Verwendung gefunden hatte; Übernahme um die Mitte des 19. Jahrhunderts
  • Akustische Sammlung
  
Geschichte
Ereignisse
  • 1833 Begründung als akademische Sammlung oder Institution
  • 1945 (vermutlich) Beendung als akademische Sammlung oder Institution
Personen
GeschichteBereits 1815 beantragte der damalige Ordinarius für Physik Paul Ermann (1764-1851) für die Berliner Universität die Anschaffung einer größeren physikalischen Demonstrationssammlung, wozu es jedoch vorerst nicht kommen sollte. Erst mehrere Jahre später legte sich der Privatdozent Gustav Magnus (1802-1870) eine, seit 1833 jährlich mit 500 Talern vom Staat geförderte, Sammlung von Apparaten für Forschung und Lehre an. Die Sammlung befand sich zunächst in der Magnus'schen Wohnung am Kupfergraben 7, wo er auch seine Vorlesungen abhielt. Im Jahre 1844 ließ Magnus die Sammlung in die Universität bringen, wo sie in zwei Räumen des Hauptgebäudes untergebracht wurde. Zwei Überweisungen von Instrumenten führten in der Folgezeit zu einer außerordentlichen Bereicherung des Bestandes. So konnte nach dem Tode Paul Ermanns im Jahre 1851 eine Sammlung von Apparaten aus dessen Privatbesitz übernommen werden.

Einen weiteren Zugang stellte eine kleine optische Sammlung dar, welche für die Vorlesung von Professor Henning in Goethes Farbenlehre angeschafft worden war. Zu Beginn des Jahres 1860 enthielt die Sammlung insgesamt 437, 1862 bereits 474 Nummern. Im Jahre 1862 stellte Magnus erfolgreich den Antrag auf Einrichtung eines Physikalischen Laboratoriums für Studierende der Universität nach dem Vorbild der damals in Heidelberg und Göttingen bestehenden Einrichtungen. Im Sommersemester 1863 wurde der Betrieb in Magnus' Wohnhaus aufgenommen. Der Physiker starb 1870, seine kostbare Privatsammlung sowie seine Bibliothek vermachte er der Universität. Diese Bestände bildeten den Grundstock für das im Jahr 1871 durch Hermann von Helmholtz (1821-1894) eingerichtete Physikalische Institut im Universitätshauptgebäude Unter den Linden. Das Institut umfasste sechs Räume, die über eine Wendeltreppe mit den im Erdgeschoss gelegenen Sammlungsräumen und dem Auditorium verbunden waren.
Nur wenige Jahre später erfolgte ebenfalls unter dem Direktorat Hermann von Helmholtz' der Umzug des Physikalischen Instituts in einen 1877/78 fertiggestellten Gebäudekomplex in der Dorotheenstraße, der darüber hinaus auch das Physiologische, das Chemische und das Pharmakologische Institut beherbergte. Das Erdgeschoss des neuen Physikalischen Instituts diente vornehmlich der Unterbringung der Räume für die experimentellen Forschungen, wogegen im ersten und zweiten Geschoss in erster Linie die Sammlungsräume sowie die Arbeitssäle der Studenten lagen. So befanden sich im westlichen Bereich des ersten Stockes zwei Sammlungssäle sowie weitere Sammlungsräume für Optik und Akustik im nördlichen Mittelbau. Die Gerätesammlung war in zwei schmalen, trapezförmig zulaufenden Räumen auf der gleichen Etage im östlichen Trakt des Gebäudes angesiedelt.

In den folgenden Jahrzehnten bis zum Ersten Weltkrieg erlebte das Institut unter der Leitung Hermann von Helmholtz sowie seiner Nachfolger August Kundt (1839-1894), Emil Warburg (1846-1931), Paul Drude (1863-1906) und Heinrich Rubens (1865-1922) seine wissenschaftliche Blüte. Auch die Sammlungen profitierten von dieser Entwicklung. Bei der Übernahme des Direktorats durch Emil Warburg im Jahre 1895 hatte das Institut eine außerordentliche Bewilligung von 40.000 Mark erhalten, wovon ein Teil für die Anschaffung neuer physikalischer Apparate Verwendung fand. Insbesondere konnte so eine große Zahl wertvoller elektrischer und optischer Messinstrumente erworben werden. Während der Amtszeit Paul Drudes zwischen 1905 und 1906 kam es des weiteren zu einer vollständigen räumlichen Trennung der Vorlesungssammlung von der Laboratoriumssammlung. Zwei Jahre darauf, im Jahre 1908, ermöglichte eine Bewilligung von 9.000 Mark "zur Vervollständigung des Instrumentariums" eine abermalige Sammlungserweiterung. Unter der Leitung Professor Rubens' wurde dieser Betrag hauptsächlich zur Ergänzung der damals als teilweise veraltet angesehenen Lehrsammlung verwendet. Im Jahre 1910 vereinten die Sammlungen des Physikalischen Instituts insgesamt 1.800 Objekte in sich.

Im April des Jahres 1945 brannte das Institut als Folge der Kampfhandlungen um das Berliner Regierungsviertel bis auf die Grundmauern aus. Was noch an Inventar gerettet werden konnte, wurde zunächst an das geplünderte Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik in Dahlem gebracht, wo das Physikalische Institut bis zur Wiedereröffnung der Universität und der Wiederaufnahme der Physikerausbildung Gastrecht genoss. Danach fand es Aufnahme im Physikalischen Institut der einstigen Landwirtschaftlichen Hochschule in der Invalidenstraße 42 sowie an zahlreichen anderen Standorten der Berliner Innenstadt. 1984 konnten die verschiedenen physikalischen Forschungs- und Ausbildungsstätten der Humboldt-Universität erstmals wieder unter einem Dach, in einem Neubau an der Ecke Invaliden- / Chausseestraße, zusammengefasst werden.

Guttstadt, 1886; Rubens, 1910; Balk, 1926; Hoffmann, 1999 
ArchivalienFindbuch: Der Universitäts-Kurator in Berlin. 1819-1945, S. 60, Nr. 345, Februar 1820 - August 1942; März 1914 - Dezember 1924 
  
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