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Sammlung historischer physikalischer Apparate

Allgemein
BezeichnungSammlung historischer physikalischer Apparate
UniversitätGeorg-August-Universität Göttingen
UniversitätsortGöttingen
Museums- und SammlungsartNaturwissenschaft & Technik
Museums- und SammlungsformHistorische Sammlung
SammlungsschwerpunktPhysik · Technikgeschichte · Wissenschaftsgeschichte
Externe Links
AdresseGeorg-August-Universität Göttingen
I. Physikalisches Institut
Friedrich-Hund-Platz 1
37077 Göttingen
ÖffnungszeitenBesichtigung nach Vereinbarung
KontaktProf. Dr. Konrad Samwer (Sammlungsbetreuer)
ksamwer@gwdg.de
ksamwer@uni-goettingen.de
Telefon: + 49 (0) 551 39 7602
Telefon: +49 (0) 551 39 7601
BeschreibungDie Sammlung historischer physikalischer Apparate enthält mehr als 800 Objekte aus der Zeit des 18. bis zum 20. Jahrhundert. Zum Bestand gehören darüber hinaus auch Handschriften, Bücher, Möbel und Bilder. Fast alle Stücke wurden in der über 250-jährigen Geschichte des Faches Physik an der Göttinger Universität in Lehre und Forschung benutzt. Den Grundstock der Sammlung bilden die von Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) aus privaten Mitteln angeschafften Geräte. Seine berühmte Luftpumpe mit Originalzubehör ist ein Musterbeispiel englischer Tischler- und Mechanikerkunst. Ein Paar Magdeburger Halbkugeln wird noch heute in den Experimentalvorlesungen genutzt.

In der Sammlung findet sich zudem eine bemerkenswert weitgespannte Reihe von Elektrometern. Auch die schönsten Geräte aus dem Themenkreis quantitative Elektrizitätslehre, elektrische Maßsysteme und Magnetismus existieren nach wie vor. Der berühmte Gauss-Weber-Telegraph aus dem Jahr 1833 liegt als ein von Wilhelm Eduard Weber (1804-1891) selbst in Auftrag gegebener Nachbau vor. Zum vollständigen Apparat gehören der Empfänger und ein Ablesefernrohr, die beide vorhanden sind.

Das Glanzstück der Sammlung bildet eine Röntgenlampe mit regulierbarem Vakuum, auf welche die Firma Siemens & Halske am 24. März 1896 ein Deutsches Reichspatent erhielt. Bei diesem Gerät handelt es sich höchstwahrscheinlich um die älteste kommerzielle Röntgenröhre überhaupt und gleichzeitig um das einzige erhaltene Exemplar dieser Art. Zu den Röntgenröhren gibt es eine beachtliche Sammlung von Funkeninduktoren, Unterbrechern und Influenzmaschinen. Als komplette Laboreinheit ist ein Kristallziehraum aus den 1920er Jahren erhalten, der noch bis 1980 zur Herstellung von Alkalihalogenid-Kristallen genutzt wurde. Aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammt der von Rudolf Hilsch (1903-1972) gebaute Wasserstoff-Verflüssiger. Zur kompletten Anlage gehören ein tonnenschwerer Kompressor, ein Feld mit Strömungsmessern und Ventilen sowie ein mehrere Kubikmeter fassender Gasometer.

Die ständige Ausstellung zur traditionsreichen Physikgeschichte an der Göttinger Universität ist auch für externe Besucher zugänglich.

Website der Sammlung 
SonstigesDie Sammlung befindet sich größtenteils in klimatisierten Magazinen. Einige hervorzuhebende Ausstellungsstücke sind in einem Raum im Institutsgebäude zu besichtigen. 
Stand der InformationenNovember 2010
  
Bestände
Objektgruppen
Stand der ErschließungJohann Tobias Mayer (1752-1830) erstellte 1813 einen sorgfältigen "Catalog des Physikalischen Apparats", auf den sich die heutige Zuordnung und Datierung der älteren Geräte weitgehend stützt. Ein zweibändiger Ausstellungskatalog aus den Jahren 1986 und 1988 enthält neben einer kurzen Institutsgeschichte auch ein unvollständiges Objektverzeichnis der Sammlung. Derzeit wird jedoch eine Digitalisierung aller Objekte anvisiert, um diese in Zukunft für die wissenschaftshistorische Forschung besser nutzbar zu machen. 
Bedeutende Teilbestände
  • Sammlung Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799): Lichtenbergs aus privaten Mitteln angeschaffte Geräte bilden den Grundstock der Göttinger "Sammlung historischer physikalischer Apparate"; u.a. Lichtenbergs Luftpumpe mit Originalzubehör, ein Paar Magdeburger Halbkugeln, diverse Elektrometer
  • Kristallziehraum: komplette Laboreinheit aus den 1920er Jahren
  • Geophysikalische Sammlung mit Objekten aus der Sternwarte, von Tobias Mayer und Carl Friedrich Gauß
  
Geschichte
Ereignisse
  • 1789 Begründung als akademische Sammlung oder Institution
Personen
GeschichteDen Grundstock der Sammlung bilden die von Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) aus privaten Mitteln angeschafften Geräte. 1783 bezifferte er die Kosten für seine Apparate mit 1.500 Talern. Von 1778 bis 1799 las Lichtenberg die Einführung in die Experimentalphysik. Dabei waren seine Demonstrationsexperimente die Hauptattraktion. 1789 gelang es Lichtenberg, seine Sammlung an die Universität zu verkaufen. Allerdings stand sie weiterhin unter Lichtenbergs Obhut und ihm uneingeschränkt zur Verfügung. Damit war die Experimentalphysik in Göttingen institutionalisiert. Dieses Jahr gilt somit als Gründungsjahr des Physikalischen Instituts und Lichtenberg als dessen erster Institutsdirektor; auch wenn Sammlung und Vorlesung in seiner Privatwohnung im heutigen Künstlerhaus Ecke Prinzenstraße Gotmarstraße verblieben. Anlässlich seines 250-jährigen Geburtstages 1992 fand eine umfassende Ausstellung in Darmstadt und Göttingen statt; dabei wurden fast alle physikalischen Geräte Lichtenbergs ausgestellt.

Lichtenbergs Nachfolger wurde Johann Tobias Mayer (1752-1830). Unter seiner Leitung wurde in einem heute nicht mehr existierenden Gebäude Ecke Prinzenstraße und Papendik das "Physikalische Cabinet" eingerichtet. Dorthin kamen auch Lichtenbergs Apparate. Mayer erstellte 1813 einen sorgfältigen "Catalog des Physikalischen Apparats", auf den sich die heutige Zuordnung und Datierung der älteren Geräte weitgehend stützt. Er führt auch Instrumente aus der Uffenbach'schen Sammlung auf.

Als Nachfolger Mayers kam 1831 der junge Wilhelm Eduard Weber (1804-1891) von Leipzig nach Göttingen. Kaum hatte er seine Zusammenarbeit mit dem ebenfalls in Göttingen arbeitenden Gelehrten Carl Friedrich Gauss (1777-1855) begonnen, als sich 1832 eine wissenschaftliche Sensation ereignete: Michael Faraday (1791-1867) entdeckte die elektromagnetische Induktion. Was lag da näher, als Gauss' magnetische Messungen mit diesem neuen Effekt zu verbinden. So entstand 1833 der berühmte Gauss-Weber-Telegraph. Weber hatte vom "Physikalischen Cabinet" ausgehend eine elektrische Doppelleitung über den nördlichen Turm der Johanniskirche und über das Accouchierhaus am Geismartor bis zu Gauss in die Sternwarte verlegt. Mittels eines Paars baugleicher Sender und Empfänger konnten sich die beiden jetzt Nachrichten mit Lichtgeschwindigkeit über die Dächer Göttingens zuschicken. Am 16.12.1845 wurde die Leitung allerdings durch Blitzschlag zerstört.

1849 kehrte Weber, der als einer der "Göttinger Sieben" seine Stellung verlor, nach Göttingen zurück. Da während seiner Abwesenheit Johann Benedikt Listing (1808-1882) mit der Leitung des Instituts betraut worden war, wurde dieses nach Webers Rückkehr geteilt. So entstanden zwei ordentliche Lehrstühle des Faches Physik: Experimentalphysik (Weber) und mathematische Physik (Listing). Weber erhielt 1849 Mittel zur Modernisierung der Apparatesammlung.

Diese Ausweitung des Physikalischen Instituts wurde wesentlich von Eduard Riecke (1845-1915) betrieben, der Webers Assistent und Nachfolger war. Neubauten in der Bunsenstraße wurden erforderlich und konnten im Dezember 1905 bezogen werden. Als Nachfolger Rieckes wurde 1916 Robert Wichard Pohl (1884-1976) berufen. Kriegsbedingt konnte er die Professur jedoch erst 1919 antreten. Das I. Physikalische Institut leitete er dann mehr als drei Jahrzehnte bis zu seiner Emeritierung 1952. Dass die frühen Röntgenröhren in der Göttinger Sammlung so vollständig erhalten sind, hängt möglicherweise mit Pohls speziellem Interesse an diesem Thema zusammen. 1953 übernahm Rudolf Hilsch (1903-1972) die Leitung des Instituts. Er verlagerte das Arbeitsgebiet in Richtung tiefe und tiefste Temperaturen.

Die Sammlung in der heutigen Form wurde von den Mitarbeitern des Instituts, maßgeblich von Gustav Beuermann, seit etwa 1980 aufgebaut. Die in den Kellern, Nebenräumen und Dachkammern schlummernden Schätze mussten identifiziert, datiert und neu inventarisiert werden. Zahlreiche Geräte wurden behutsam restauriert. Dafür wurden Mittel der Universität und der Stiftung Dr. Ungewitter eingesetzt. Für den ständigen weiteren Ausbau und die Betreuung der Sammlung hat die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen im Sommer 1984 eine Kommission eingesetzt und das Projekt seitdem jährlich auch finanziell unterstützt.

Website der Sammlung 
  
Publikationen
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Modell einer Orgel von 1852
Modell einer Orgel von 1852
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