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Moulagensammlung an der Universitäts-Hautklinik

Allgemein
BezeichnungMoulagensammlung an der Universitäts-Hautklinik
UniversitätAlbert-Ludwigs-Universität Freiburg
UniversitätsortFreiburg (Breisgau)
Museums- und SammlungsartMedizin
Museums- und SammlungsformLehrsammlung
SammlungsschwerpunktDermatologie · Humanmedizin · Medizin
Externe Links
AdresseAlbert-Ludwigs-Universität Freiburg
Universitäts Hautklinik
Hauptstraße 7
79104 Freiburg im Breisgau
ÖffnungszeitenNicht öffentlich zugänglich
KontaktDr. Martin Faber (Beauftragter für die Moulagensammlung Freiburg)
emfaber@gmx.de
BeschreibungSeit dem frühen 19. Jahrhundert verbreitete sich in Europa die Moulagentechnik. Wesentliche Triebkraft für das Entstehen von Moulagensammlungen war das Defizit an Demonstrationsobjekten für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Sie sollten dabei als Ergänzung einer genauen Beschreibung des Krankheitsbildes dienen. Im Unterschied zu Wachsmodellen sind Moulagen in Größe, Form und Farbe naturnahe, dreidimensionale Nachbildungen von krankhaft veränderten, verletzten oder fehlgebildeten Körperteilen. Sie sind unmittelbar am Patienten mit Hilfe von Gips abgeformt. Nach dem Aushärten der Negativform wird diese mit Wachs ausgegossen und danach die Oberfläche farblich gestaltet. Dabei muss der gesamte Herstellungsprozess innerhalb kürzester Zeit stattfinden, da auch die farbliche Wiedergabe im Beisein des Patienten geschehen sollte. Zudem wurden die meisten Moulagen noch mit Körperbehaarung ergänzt, um die Lebensnähe zu realisieren.

Die heute circa 800 Belege umfassende Moulagensammlung der Universität Freiburg demonstriert quasi "hautnah" zwei zusammenhängende Geschichten. Einmal die Geschichte dieser Wachsmodelle selbst und die Geschichte der Hautkrankheiten, da viele der hier modellierten und farblich die Realität wiedergebenden Moulagen bereits nicht mehr auftretende Krankheiten darstellen. Die Sammlung wird heute als die am besten erhaltene und zudem größte ihrer Art betrachtet. Der thematische Schwerpunkt liegt auf den Geschlechtskrankheiten, dabei vor allem der Syphilis.

Die Moulagen werden seit Anfang 2008 wieder in der Lehre eingesetzt und demonstrieren damit den Wert von Lehrsammlungen, da hier Studierende nicht nur historische Hautkrankheiten „untersuchen“ können, sondern auch Krankheiten im Modell vorfinden, die selten im Klinikalltag zu untersuchen sind. 
Stand der InformationenJuli 2009
  
Bestände
Objektgruppen
Stand der ErschließungDie elektronische Erfassung und Klassifizierung aller Moulagen ist abgeschlossen; von den meisten Moulagen liegen zudem digitale Bilder vor. Ein öffentlicher Zugang zur Objekt-Datenbank ist vorgesehen. (Stand: Juli 2009) 
Bedeutende TeilbeständeEs gibt keine Informationen zu Teilbeständen.
  
Geschichte
Ereignisse
  • 1899 Begründung als akademische Sammlung oder Institution
Personen
GeschichteEduard Jacobi (1862-1915) war vor seinem Amtsantritt an der Freiburger Hautklinik zwei Jahre als Volontär an der Universitäts-Hautklinik in Breslau unter Albert Neisser (1855-1916) tätig gewesen. Im Jahre 1899 wurde er zum Leiter der Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten ernannt und diese Abteilung als selbständige Klinik mit einer dazugehörigen Poliklinik anerkannt. In dieser Zeit begann Jacobi eine Moulagensammlung aufzubauen. Sein Moulageur Theodor Johnsen hatte bis 1901 bereits 70 Moulagen angefertigt. Im Jahre 1902 wurde Jacobi zum „etatmässigen ausserordentlichen Professor der Dermatologie“ ernannt, wodurch der Lehrstuhl für Dermato-Venerologie in Freiburg eingerichtet wurde. Berühmt wurden Jacobis "Atlanten der Hautkrankheiten" (Erstauflage 1903), für deren photographische Vorlagen Moulagen verwendet wurden, vor allem von Alfons Kröner (gest. 1937) und anderen Moulageuren. Jacobi erbat aus allen bekannten Moulagensammlungen Exemplare für seine Sammlung, die noch heute zum Teil nachweisbar sind. In Freiburg finden sich sieben Moulagen vom Wiener Arzt Carl Henning (1860-1917), 38 Moulagen sind von Alfons Kröner und 21 Wachsmodelle aus der Berliner Werkstatt von Fritz Kolbow (1873-1946) erhalten. Vor allem arbeiteten auch lokale Moulageure wie Theodor Johnson, Otto Vogelbacher (1869-1943) sowie Theodor Niehues (1896-1981) für die Freiburger Sammlung. Der Moulageur Otto Vogelbacher (1869-1943) schuf über 1.000 Moulagen, von denen heute noch rund 600 Stücke erhalten sind. Der Nachfolger Jacobis Georg Alexander Rost (1889-1976) war ebenfalls ein großer Förderer der Moulagenkunst, ebenso wie dessen Nachfolger Alfred Stühmer (1885-1957). Stühmer bemühte sich auf der "Tagung für dermatologische Bildkunst" im Jahr 1956 vergeblich, der Moulagenkunst zu einer "Renaissance" zu verhelfen, jedoch ohne nachhaltiges Echo. In Freiburg förderten mehrere Ordinarien konsequent die Moulagensammlung bis in die fünfziger Jahre und sicherten dadurch Kontinuität und Zusammenhalt der Sammlung. Zudem erlitt die Sammlung durch ihre Auslagerung in den Schwarzwald im Zweiten Weltkrieg keinen Schaden. Bis 1957 erreichte die Freiburger Sammlung mit 1.200 Moulagen ihren größten Bestand. Während einer Umbauphase in den 1960er Jahren wurde die Sammlung aus Platzgründen auf 850 Wachsmodelle reduziert. In Freiburg wurden die Moulagen zusammen mit Diapositiven und Fotografien lange im Unterricht eingesetzt. Ende der 1980er Jahre wurde die Lehr- und Studiensammlung während einer Umbauphase im Keller verstaut, wo sie Anfang 2008 auf Initiative des Hautarztes Martin Faber wieder hervorgeholt wurden. Faber erinnerte sich an seine eigene Zeit als Assistent an der Klinik und empfahl die Wachsmodelle wieder in der Lehre einzusetzen, da es für dieses Lehrmittel keinen Ersatz gibt. 
  
Publikationen
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