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Modellsammlung der Aerodynamischen Versuchsanstalt*

Allgemein
BezeichnungModellsammlung der Aerodynamischen Versuchsanstalt*
Besonderer Status*Nicht mehr an Universität
UniversitätGeorg-August-Universität Göttingen
UniversitätsortGöttingen
Museums- und SammlungsartNaturwissenschaft & Technik
Museums- und SammlungsformHistorische Sammlung
SammlungsschwerpunktFahrzeugtechnik · Luft- und Raumfahrtechnik · Physik · Technikgeschichte
Externe Links
BeschreibungDie Modellsammlung der Aerodynamischen Versuchsanstalt, die nicht einmal ein Jahrzehnt der Universität Göttingen angeschlossen war, beinhaltete verschiedene Modelltypen. Vorrangig ein Zentrum der Luftfahrt, enthielt die Sammlung aber auch Modelle von Landfahrzeugen wie Eisenbahnen und Automobilen sowie Wasserfahrzeugen. Die Modelle dienten ausschließlich der Forschung. Inwieweit heute noch Modelle der Versuchsanstalt existieren, ist unklar. Gesichert ist, dass sich Fotografien der Modelle (auch nach der Zeit an der Universität) und wissenschaftliche Manuskripte im Historischen Archiv des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Göttingen befinden. 
Stand der InformationenMärz 2011
  
Bestände
Objektgruppen
Bedeutende Teilbestände
  • Modelle von Luftschiffen
  • Modelle von Flugzeugen
  • Modelle von Landfahrzeugen
  • Modelle von Wasserfahrzeugen
  • Modelle von Gebäuden
  
Geschichte
Ereignisse
  • 1913 Begründung als akademische Sammlung oder Institution
  • 1925 Beendung als akademische Sammlung oder Institution
Personen
GeschichteDie Vorgeschichte der Versuchsanstalt beginnt mit der Gründung der Göttinger Vereinigung zur Förderung der angewandten Physik und Mathematik (GV) am 26. Februar 1898. Erster Vorsitzender war der Unternehmer, Wissenschaftler und Politiker Henry Theodor von Böttinger (1848-1920), dem die Universität Göttingen bereits 1896 den Ehrendoktor verliehen hatte. Böttingers Beziehungen zur Industrie und Politik waren für den Mathematiker Felix Klein (1849-1925), dem Initiator der Idee zur Schaffung und Angliederung von Einrichtungen für technische Physik an den Lehrbetrieb der Universität Göttingen, die entscheidende Stütze bei der Umsetzung seiner Pläne.

Bereits in den 1890er Jahren unternahm Otto Lilienthal Versuche zur Flugtechnik. Im Jahre 1903 gelang Wilbur und Orville Wright der erste Motorflug. Am 1. September 1904 wurde Ludwig Prandtl (1875-1953) außerordentlicher Professor für technische Physik in Göttingen. Ein Jahr später wurde das Institut für angewandte Mathematik und Mechanik gegründet, welches Prandtl und C. Runge leiteten. Im Jahre 1907 legten Prandtl und Klein Pläne für eine Motorluftschiffmodell-Versuchsanstalt vor. Die Motorluftschiff-Studiengesellschaft m.b.H. in Berlin stellte Geldmittel bereit, so dass noch im selben Jahr der Bau beginnen konnte. Am 22. Juni ernannte die Universität Prandtl zum ordentlichen Professor und im November startete der Bau des ersten Windkanals, womit er ein Jahr später bereits Probeläufe unternahm.

Prandtl begann 1909 mit ersten Lehraufträgen über Luftfahrt an einer Universität. Er hielt Vorlesungen und führte Übungen zum gesamten Bereich der Luftfahrtwissenschaften durch.

Die Spendenbereitschaft der Bevölkerung für die wissenschaftliche (meist militärische) Grundlagenforschung für die Luftfahrt im Vorfeld des Ersten Weltkrieges unterstreicht die allgemeine Begeisterung für die Technik des Flugwesens. Kritisch betrachtet offenbaren sich hier aber bereits die später immer wiederkehrenden Konflikte zwischen technischer Forschung und dem Missbrauch der Ergebnisse im Krieg. Im Vordergrund stand der Aufbau einer militärischen Luftfahrt; auch wenn allzu oft auf die "wissenschaftlichen Leistungen" verwiesen wird, so darf dieser Aspekt nicht in den Hintergrund treten.

Im Jahre 1913 ging die Versuchsanstalt als „Modellversuchsanstalt der Universität Göttingen“ in das Eigentum der Universität über. Bereits 1919, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, übereignete die Universität die Versuchsanstalt der Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft. Damit endete die kurze, aber nicht unbedeutende Zeit an der Universität Göttingen. Prandtl blieb aber aufgrund seiner Lehrstuhltätigkeit an der Universität und als Direktor der Versuchsanstalt das verbindende Glied der Einrichtungen für die Zeit danach.

Während des Krieges arbeitete die Versuchsanstalt an Aufträgen für private Flugzeugbauunternehmen. In Folge des Friedensvertrages gingen die Aufträge für die Versuchsanstalt zurück. Der Personalbestand wurde daraufhin drastisch reduziert. Die Versuchsanstalt blieb aber als assoziierte Einrichtung mit der Universität verbunden. Ein Verlust drohte Göttingen durch die Berufung Prandtls nach München 1920. Nach einigem Hin und Her entschied sich Prandtl jedoch, in Göttingen weiterzumachen. Die Forschungen konzentrieren sich nach dem Krieg vorwiegend auf Land- bzw. Seefahrzeuge.

Albert Betz (1885-1968) übernahm die Nachfolge Prandtls 1925. Er entwickelte das Institut stetig weiter und führte es durch die schwierige Zeit der Wirtschaftskrise. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde die Anstalt in die Rüstungspläne des Dritten Reiches einbezogen und großzügig ausgestattet. Betz blieb bis zur Beschlagnahmung der Forschungseinrichtung durch die Alliierten Direktor. 1953 folgte die Wiedereingliederung in die neu gegründete Max-Planck-Gesellschaft. 
ArchivalienHistorisches Archiv des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Göttingen
- DLR.GOAR.3663.2 - Wissenschaftliche Manuskripte von Ludwig Prandtl
- DLR.GOAR.1299 - Korrespondenz der Aerodynamischen Versuchsanstalt mit der Flugzeugmeisterei Berlin-Adlershof zur Ausführung von Modellversuchen, 1917-1919, enthält: 7 Fotos von Versuchsmodellen (1917)
- DLR.GOAR.2705 - Korrespondenz der Modellversuchsanstalt mit verschiedenen Behörden, Firmen und Wissenschaftlern überwiegend zur Ausführung von Modellversuchen (1917-1919), enthält: Alphabetische Ordnung der Korrespondenzpartner (1917-1919), Fotos von Flugzeugmodellen (1918)
- DLR.GOAR.24 - Forschungsberichte der Aerodynamischen Versuchsanstalt für verschiedene Auftraggeber 1918-1928, enthält: Forschungsberichte für: Dornier, Metallflugzeugbau, Friedrichshafen; Zeppelinwerk-Lindau, Friedrichshafen-Seemoos mit Fotos von Versuchsmodellen, Zeichnungen und Tabellen zu einzelnen Forschungsergebnissen (1918-1928)
- DLR.GOAR.1270 - Berichte über Modellversuche der Aerodynamischen Versuchsanstalt für Al. Lippisch, Lindau-Aeschach 1921, enthält: Fotos von Flugzeugmodellen (1921)
- DLR.GOAR.80.2 - Forschungsberichte der Aerodynamischen Versuchsanstalt für Rohrbach Metall-Flugzeugbau GmbH, Berlin, 1922-1929, enthält: Fotos von Versuchsmodellen, Zeichnungen und Tabellen zu einzelnen Forschungsergebnissen (1922-1929)

(aus: Schriften des Universitätsarchivs Göttingen, herausgegeben von Ulrich Hunger und Hermann Wellenreuther, Band 1) 
  
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