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Sammlung des Theoretisch-Physikalischen Instituts*

Allgemein
BezeichnungSammlung des Theoretisch-Physikalischen Instituts*
Besonderer Status*Verbleib unbekannt
UniversitätUniversität Leipzig
UniversitätsortLeipzig
Museums- und SammlungsartNaturwissenschaft & Technik
Museums- und SammlungsformHistorische Sammlung
SammlungsschwerpunktPhysik · Wissenschaftsgeschichte
Externe Links
BeschreibungNoch für das Jahr 1909 ist die Existenz einer Sammlung des im Wintersemester 1904/05 eingeweihten Theoretisch-Physikalischen Instituts der Universität Leipzig belegt. Auf der Basis eines staatlichen Ankaufsetats von 96.000 Mark wurde durch die Institutsdirektoren Ludwig Boltzmann (1844-1906) und Theodor Des Coudres (1862-1926) in den ersten Jahren ihres Bestehens allmählich eine beachtliche wissenschaftliche Sammlung aufgebaut, über deren weiteres Schicksal derzeit jedoch keine Informationen vorliegen.

Unter den kostspieligen Apparaten befanden sich nach Angaben des damaligen Institutsleiters Des Coudres im Jahre 1909 beispielsweise „ein harmonischer Analysator mit drei Integrationsapparaten von Conradi in Zürich; ein Helmholtzscher Pendelunterbrecher mit vier Schlitten von Edelmann; eine Kompressionspumpe von Schäffer & Buddenberg für 2000 Atmosphären; fahrbare Hochfrequenzdynamo für 1200 Wechsel in der Sekunde mit Gleichstrommotorantrieb, [...] fahrbares Aggregat einer zehnpferdigen Wechselstrommaschine und eines Transformators zur Erzeugung von Strömen bis zu 2000 Ampere Stärke; Hochspannungsdynamo für 5000 Volt und 1/10 Ampere; Dynamogußstahlparallelopipede zum Aufbau starker magnetischer Kreise und großen Spulen dazu, um die gesamte an der städtischen Leitung zur Verfügung stehende Energie zur Felderzeugung auszunutzen. Eine Spule mit Kern liegt links auf dem Experimentiertisch. Kompliziertere mechanische Modelle sind in der Sammlung nicht vorhanden.“

Des Coudres, 1909 
Stand der InformationenJuni 2010
  
Bestände
Objektgruppen
Bedeutende Teilbestände
  • ein harmonischer Analysator mit drei Integrationsapparaten von Conradi in Zürich
  • ein Helmholtzscher Pendelunterbrecher mit vier Schlitten von Edelmann
  • eine Kompressionspumpe von Schäffer & Buddenberg für 2000 Atmosphären
  • ein fahrbarer Hochfrequenzdynamo für 1200 Wechsel in der Sekunde mit Gleichstrommotorantrieb
  • ein fahrbares Aggregat einer zehnpferdigen Wechselstrommaschine und eines Transformators zur Erzeugung von Strömen bis zu 2000 Ampere Stärke
  • ein Hochspannungsdynamo für 5000 Volt und 1/10 Ampere
  • ein Dynamogußstahlparallelopipede zum Aufbau starker magnetischer Kreise
  
Geschichte
Ereignisse
  • Zwischen 1900 und 1904 Begründung als akademische Sammlung oder Institution
Personen
GeschichteDie Entstehung des Leipziger Theoretisch-Physikalischen Instituts und der zugehörigen Sammlung ist eng mit der Geschichte der Leipziger Experimentalphysik verbunden. Bevor im Jahre 1895 das erste Extraordinariat für Theoretische Physik geschaffen wurde, oblag der Unterricht in diesem Fach lange Zeit den Vertretern der Experimentalphysik. Doch waren auch die Dozenten für Theoretische Physik für ihre experimentellen Arbeiten bis zur Einrichtung eines eigenen Instituts zunächst noch auf die Überlassung von Räumen und Instrumenten durch ihre Kollegen aus der Experimentalphysik angewiesen.

Bei seinem Amtsantritt 1899 hatte der Direktor des Physikalischen Instituts Otto Heinrich Wiener (1862-1927) erfolgreich die Errichtung eines neuen Gebäudes für sein eigenes Institut und damit einhergehend die Schaffung eines besonderen Instituts für Theoretische Physik vorgeschlagen. Zudem wurde 1900 der theoretisch-physikalische Lehrstuhl in ein Ordinariat umgewandelt und mit dem Physiker Ludwig Boltzmann (1844-1906) aus Wien besetzt. Aber bereits 1902 ging Boltzmann nach Wien zurück und überließ seinem Nachfolger Theodor Des Coudres (1862-1926) das Amt. Im Wintersemester 1904/05 konnte außerdem der Unterricht in dem neuen gemeinsamen Institutsgebäude in der Leipziger Linnéstraße aufgenommen werden.

Die Räume des Physikalisch-Theoretischen Instituts verteilten sich auf die drei Geschosse des Nordflügels, während die anderen Bereiche der Dreiflügelanlage durch das Physikalische Institut genutzt wurden. Nord- und Südflügel waren zudem über ein Quergebäude miteinander verbunden, welches den großen Sammlungssaal für Experimentalphysik und den benachbarten Sammlungsraum für Theoretische Physik beherbergte. Die Sammlungszimmer standen beide in unmittelbarer Verbindung zu den jeweiligen großen Hörsälen für Theoretische bzw. Experimentalphysik und waren voneinander lediglich durch eine Glaswand getrennt.

Die Sammlung wurde erst im Zuge der Gründung des Theoretisch-Physikalischen Instituts zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegt. Ein großzügiger Ankaufsetat von insgesamt 96.000 Mark für die Beschaffung von Instrumenten, Maschinen und Werkzeugen ermöglichte einen kontinuierlichen Ausbau der Sammlung. Die Ankaufspolitik der ersten Direktoren Boltzmann und Des Coudres zielte weniger auf Vollständigkeit und eine gleichmäßige Berücksichtigung aller Gebiete der Physik innerhalb der Sammlung; vielmehr ging es darum, den aktuellen Erfordernissen in Forschung und Lehre Rechnung zu tragen und den Bestand dementsprechend schrittweise aufzubauen.

Ludwig Boltzmann (1844-1906) benutzte in seinen Vorlesungen eine Reihe mechanischer Modelle, die Vorgänge und Situationen der Nichtmechanik demonstrieren sollten. Er ist so neben James Clerk Maxwell (1831-1879) und William Thomson (1824-1907) einer der bekannten Vertreter der Physik, die das Abstrakte „sichtbar“ machen wollen. Dazu bedienen sie sich der Vorstellung, dass durch die Mechanik, als Grundkonstante der Physik, alle anderen physikalischen Bereiche beschrieben werden können. 
  
Publikationen
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