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Anatomisches Kabinett Joseph Anton Rodeckers*

Allgemein
BezeichnungAnatomisches Kabinett Joseph Anton Rodeckers*
Besonderer Status*Verloren
UniversitätAlbert-Ludwigs-Universität Freiburg
UniversitätsortFreiburg (Breisgau)
Museums- und SammlungsartMedizin
Museums- und SammlungsformHistorische Sammlung
SammlungsschwerpunktAnatomie · Anthropologie · Chirurgie · Humanmedizin · Medizin · Medizingeschichte · Pathologie
Externe Links
BeschreibungDas Kabinett des Anatomen und Präparators Joseph Anton Rodecker (1735-1772) bildete die erste anatomische Sammlung der Freiburger Universität. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgebaut, entwickelte sich die anatomische Sammlung im Laufe des 19. Jahrhunderts ständig fort, so dass sie im Jahre 1867 aus insgesamt 6.516 Präparaten und Instrumenten bestand. Bombentreffer im Ersten und Zweiten Weltkrieg führten zur kompletten Zerstörung des Bestandes. Die heutige Anatomische Sammlung der Freiburger Universität stammt gänzlich aus der Nachkriegszeit.

Becher, 2007 
  
Bestände
Objektgruppen
Bedeutende Teilbestände
  • Sammlung Joseph Anton Lambert Rodecker (1735-1772): Lehrsammlung
  • Steinsammlung: Ankauf aus dem Nachlass Professor J. Ignaz Schmiederers (1755-1830)
  • Sammlung chirurgischer und anatomischer Instrumente
  
Geschichte
Personen
GeschichteDas genaue Gründungsdatum der Sammlung ist nicht bekannt. Im Jahre 1759 wurde jedoch durch die österreichischen Landstände zur Finanzierung eines Anatomischen Theaters ein jährlicher Betrag von hundert Reichstalern bewilligt. Zum Jahreswechsel 1767/68 übernahm Joseph Anton Lambert Rodecker (1735-1772) den anatomischen Lehrstuhl an der Freiburger Universität. Im selben Jahr erstellte er auch einen Katalog, in dem er die anatomische Sammlung zum ersten Mal beschrieb. Angaben zur Provenienz der Stücke wurden jedoch nicht gemacht. Es ist aber bekannt, dass die Sammlung sowohl angekaufte als auch von Rodecker selbst gefertigte Stücke enthielt. Dem Katalog zufolge bestand sie aus insgesamt acht Vitrinen, so genannte „Kästen“, die im damaligen Universitätshauptgebäude, dem heutigen Neuen Rathaus, aufgestellt waren. Kasten 1 bis 4 präsentierten die Bereiche der beschreibenden bzw. systematischen Anatomie. Sie enthielten ein osteologisches Skelett sowie je ein Skelett mit präpariertem Nerven-, Muskel- und Gefäßsystem. Kasten 5 und 6 zeigten mit rachitischen Skeletten Objekte der pathologischen Anatomie. Der siebte Kasten enthielt Varia – diverse, teils deformierte Hirnschalen, ein Milzpräparat, menschliche und tierische Embryonen in Branntwein sowie eine Tafel mit den aufmontierten Einzelteilen des Gehörs. Auch der achte Kasten bot unterschiedliche Präparate, die sich den Themen Splanchnologie (Eingeweidelehre) und Embryologie zuordnen lassen.
Unter Roedeckers Nachfolger Franz Carl Anton Gebhard wurde die Sammlung erweitert. Unterstützung hierfür kam von zahlreichen Professoren der Freiburger Medizinischen Fakultät, aber auch von Ärzten der Stadt und aus der Umgebung. Einige in Weingeist eingelegte Körper stammten möglicherweise auch aus dem aufgehobenen Kloster St. Blasien. Damit einher gingen nach 1774 eine verbesserte Raumsituation im Universitätsgebäude sowie der Neubau des Anatomischen Theaters. Die chirurgischen und anatomischen Instrumente konnten vervollständigt werden. In den Inventaren wurden sie unter der Bezeichnung „Armarium“ gleichberechtigt neben der eigentlichen Lehrsammlung geführt. Der erste erhaltene Katalog nach Rodecker, ein handgeschriebenes Verzeichnis des Anatomieprofessors Aloys Nuefer, stammt aus dem Jahr 1820. Zu dieser Zeit waren aus dem Bestand Rodeckers noch zwanzig Präparate erhalten.
In den folgenden Jahrzehnten, besonders unter den Professoren Bernhard Beck (1821-1894), Franz Anton Buchegger (1794-1839) und Friedrich Sigismund Leuckart (1800-1836), wuchs die Sammlung weiter an. Dies führte allmählich, verbunden mit den Autonomiebestrebungen der einzelnen Disziplinen, zu einer Abspaltung unterschiedlicher Bereiche. Eine detaillierte Bestandsbeschreibung durch Heinrich Schreiber (1793-1872) aus dem Jahr 1840 belegt bereits eine gesonderte, teils sogar räumlich getrennte Aufstellung der systematisch-anatomischen, pathologischen und vergleichend-anatomischen sowie einiger anthropologischer Objekte, wobei die Pathologie den größten Raum einnahm. Auch zu dieser Zeit waren noch einige Präparate aus der frühesten Sammlungsperiode erhalten. Nachgewiesen ist zudem eine aus dem Nachlass Professor J. Ignaz Schmiederers (1755-1830) angekaufte „Steinsammlung“.
Im Jahre 1867 enthielt die Sammlung des Anatomischen Kabinetts insgesamt 6.516 Objekte, darunter immer noch einige Stücke aus der Ära Rodecker. Zur anthropologischen Abteilung, welche den Gründungsbestand der später bedeutenden und in Teilen bis heute erhaltenen Sammlung Alexander Eckers (1816-1887) ausmachte, gehörte u.a. ein 1810 von Nuefer präpariertes Skelett eines in Freiburg an Tuberkulose verstorbenen Afrikaners. Noch 1941 scheinen in der anatomischen Sammlung einzelne Präparate aus Rodeckers Verzeichnis nachweisbar gewesen zu sein. Einen Bombenangriff im Ersten Weltkrieg, infolge dessen der Bestand „bis auf geringe Reste“ verbrannte, müssen sie demnach überlebt haben, nicht jedoch eine erneute Zerstörung des Instituts am 27. November 1944.

Becher, 2007 
ArchivalienDer albertinischen hohen Schule anatom. patholog. Kabinetts Protokoll aufgestellt und eingetheilt von Prof. Dr. Nueffer im Jahr 1820: UAF A 28/88